Das Rechenzentrum ist ein lebendiger Ort künstlerischer, (sozio)kultureller und kreativer Produktion und Begegnung in Potsdams Mitte. Aus einem 1971 fertiggestellten Verwaltungsbau wurde ein Ort für Kreative, für soziale Projekte, für Veranstaltungen und für Vernetzung, kurz: das größte soziokreative Zentrum Brandenburgs.

Heute entwickeln über 300 Kultur- und Kreativschaffende ihre Ideen und Projekte im RZ. Seit 2015 wird das vormalige Verwaltungsgebäude des ehemals dreiteiligen Ensembles „Zentrum für Datenverarbeitung“ als Kreativhaus genutzt. Die Nachfrage nach Räumen war von Anfang an enorm. Die Nutzer:innenschaft wurde über die Jahre zunehmend jünger und heterogener. Sie ist u. a. in den Bereichen Design, Film, bildende wie darstellende Kunst, Musik und soziokulturelle Arbeit tätig. Bis heute gibt es Wartelisten für das aktuell voll vermietete Haus mit seinen über 5000 m² Nutzfläche und über 220 Räumen.

Neben den Ateliers, Studios und Büros besitzt das Rechenzentrum Seminar- und Veranstaltungsräume, die auch von Menschen ohne eigenen Raum im RZ angemietet werden können. Offene Ateliers, Ausstellungen und Konzerte bringen u. a. Kinder und Jugendliche sowie Kulturinteressierte und gemeinnützige Initiativen ins Haus.

Die Nutzenden gestalten gemeinsam mit dem Haus- und Kulturmanagement den Ort fortlaufend weiter. Regelmäßig locken Festivals, Konzerte, Seminare, Workshops, Performances und andere Veranstaltungen Gäste ins Haus. Viele der im Haus entstandenen Projekte wie die „Aktion Kosmos“, die Performancereihe „ArtChurch“, die „Wider_Standpunkte“ oder die Arbeiten der Ausstellung „A+B+C städtebauliche Assoziationen“ zeigen den Zusammenhang zwischen Produktionsort und künstlerischer Arbeit.

Das Rechenzentrum bereichert die Stadt um einen schöpferischen Ort des Lernens, der Kollaboration, des Experiments und der Begegnung. Was aktuell im RZ los ist erfahrt ihr unter Projekte und Termine.

Das RZ ist weithin bekannt für sein markantes denkmalgeschütztes 18-teiliges Mosaik „Der Mensch bezwingt den Kosmos“ von Fritz Eisel. Das Gebäude befindet sich am Standort der ehemaligen Garnisonkirche, deren umstrittener Turm aktuell in weniger als 2 Meter Entfernung wächst. Ein Teil des RZ steht auf dem Grundriss des ehemaligen Kirchenschiffs und soll nach 2023 theoretisch für dessen Wiederaufbau weichen. Um die weitere Entwicklung des komplexen und vielschichtigen Areals, seiner demokratischen Botschaft und Praxis, wird in Potsdam und darüber hinaus leidenschaftlich gerungen.

STRUKTUR UND ORGANISATION

Das Rechenzentrum wird seit dem 1. September 2015 von der gemeinnützigen Stiftung SPI betrieben. Sie wurde beauftragt vom Sanierungsträger Potsdam, einem städtischen Betrieb, der wiederum das Gebäude bzw. Grundstück im Auftrag der Stadt Potsdam treuhänderisch verwaltet. Die Stadt gibt das Haus pachtfrei an die Betreiberin. Alle durch den Betrieb anfallenden Kosten werden ausschließlich aus den Mieten der Nutzenden getragen. Die Miete beträgt aktuell 10,43 € / m² warm (ab September 2022).

Zu den Aufgaben der Betreiberin gehören die Vermietung und Instandhaltung sowie Community-, Kultur- und Öffentlichkeitsarbeit. In der Hausverwaltung wird die SPI von der „GSE – Gesellschaft für Stadtentwicklung” (Sitz in Berlin) unterstützt. Sie betreut unter anderem die Mietkonten und fertigt die Betriebskostenabrechnungen aus. Bei ihr sind die beiden Hausmeister angestellt. Sie kümmern sich gemeinsam mit der Kulturmanagerin, einer FSJ-lerin sowie wechselnden Praktikant:innen um den Betrieb vor Ort.

Über Mietanfragen für Räume im Rechenzentrum entscheidet der fachpolitische Beirat. Er begleitet die Betreiberin als Gremium, dessen Zusammensetzung auf einem Stadtratsbeschluss basiert.

Wird das RZ ausschließlich durch Mietbeiträge finanziert oder bestehen andere Finanzierungskonzepte wie bspw. (öffentliche) Förderungen?
Der grundlegende Betrieb ist komplett aus den Mieten finanziert. Punktuell gibt es drittmittelfinanzierte inhaltliche Projekte, wie „RZ Spektral”, die Kosmoskonzerte oder fachliche Tagungen.

BETEILIGUNG

Nutzer:innen und interessierte Externe tauschen sich regelmäßig zur Entwicklung des Rechenzentrums und  neuer, gemeinsamer Projekte aus:

  • Unregelmäßig, nach Bedarf, laden Hausmanagement oder / und Sprecher:innen-Rat zu Vollversammlungen ein. Diese bieten den Mieter:innen Raum für Austausch, Diskussionen, Stimmungsbilder, Entscheidungen, die Gestaltung von Gemeinschaftsflächen, die Organisation der hausinternen Kommunikation und die Entwicklung gemeinsamer Projektaktivitäten. Hier werden auch die Zukunft betreffende strategische Entwicklungen und Fragen diskutiert.
  • Die Nutzer:innen kommen zu wechselnden Themen und Feldern in Arbeitsgruppen zusammen, etwa anlässlich Ausstellungen, Zukunftsstrategien, Veranstaltungen, Arbeitseinsätzen oder Kommunikation.
  • Der Sprecher:innen-Rat wurde im Januar 2017 erstmals gewählt. Er vertritt die Interessen der RZ-Mieter:innen und sorgt für gute, planungssichere Arbeitsbedingungen und Konditionen.
  • Der im März 2017 gegründete, gemeinnützige FÜR e.V. gilt als äußere Vertretung mit den Zielen „RZ-Erhalt, Pflege & Erhalt Mosaik in situ, Förderung der Kultur- und Kreativszene”. Die über 180 Mitglieder setzen sich zur Hälfte aus dem Rechenzentrum und aus Potsdamer:innen und überregionalen Unterstützer:innen zusammen.
  • Die im Juni 2014 gegründete Initiative Kulturlobbyvertritt die freie Kulturszene Potsdams. Als Wegbereiterin des RZ ist sie immer noch im fachpolitischen Beirat als Stimme sowie in der RZ-Strategiegruppe aktiv.
  • Die RZ-Strategiegruppe besteht aus Personen der verschiedenen genannten Strukturen sowie RZ-Nutzer:innen und unterstützenden Externen. Sie ist der Think Tank, der kontinuierlich die Strategiefragen bearbeitet. Menschen, die in der RZ-Strategiegruppe aktiv sind, vertreten das Rechenzentrum häufig in verschiedenen städtischen Gremien und Prozessen.

ENTSTEHUNG UND ENTWICKLUNG

Ausgangspunkt für die Nutzung des Rechenzentrums als soziokreatives Zentrum war das drohende Aus verschiedener Potsdamer Orte künstlerischen und kollaborativen Schaffens Anfang 2014: Die Nutzer:innen des Atelier- und Probehauses Alte Brauerei und des Kunsthaus 17 erhielten ihre Kündigungen. Die Scholle 51 und das Kunsthaus sans titre waren in ihrem Fortbestand bedroht.
Es organisierte sich ein stadtweites, genreübergreifendes Netzwerk, welches bezahlbare Räume einforderte und aus dem heraus sich die Kulturlobby gründete. Anfang 2015 schlug die Stadt das sich auf der Abrissliste befindende Rechenzentrum als temporäres Quartier vor. Nach einem nur fünfmonatigen Entwicklungsprozess stand fest: Drei Jahre lang könnten die Räume zum Selbstkostenpreis von 7 Euro/qm genutzt werden.

Damals wurde im Konzessionsvertrag zwischen SPI und Stadt Potsdam u. a. festgelegt: Das RZ sollte „als Zentrum der Kunst- und Kreativwirtschaft […] mit Räumlichkeiten als Ateliers, als Proberäume für Theatergruppen und Musiker, als kunsthandwerkliche Werkstätten sowie als Büro für kreativ-gestaltendes Gewerbe, gemeinnützige Institutionen und StartUp Unternehmen“ genutzt werden. Mit aktiver Community-Arbeit, gemeinsamen Formaten und öffentlichen Veranstaltungen zielte das Rechenzentrum von Anfang an darauf ab, ein offener, vernetzter Raum für die Stadt und kein anonymes Arbeitshaus zu werden.

Im September 2015 zogen die ersten Mieter:innen in die beiden oberen Stockwerke. Im September 2016 kamen nach dem Auszug des Zentralen IT-Dienstleisters des Landes Brandenburg die restlichen Etagen vom Erdgeschoss bis zweiten Obergeschoss hinzu.

Wie kam es zur Verlängerung der ursprünglichen Drei-Jahresvertrages? 
Damit der Konzessionsvertrag für das RZ verlängert wurde, mussten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:
* Es war sicherzustellen, dass der Bau des Garnisonkirchturms technisch und statisch trotz Weiterbestand des Rechenzentrums möglich war.
* Eine bauordnungsrechtliche Duldung des Parallelbetriebs beider Gebäude wurde von der Bauaufsicht eingeholt.
* Anfang 2018 fand der „Szenarioworkshop zur Zukunft der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Potsdamer Mitte” statt. Von der Stadt Potsdam initiiert war dies der Ausgangspunkt der Entwicklung des KreativQuartiers als mögliche Alternative zum RZ ab 2024.
*Die Stadtverordnetenversammlung traf einen Beschluss zur Verlängerung. Die Stiftung Garnisonkirche stimmte dem zu.

Nach langem Ringen der Nutzer:innen wurde die Nutzungsdauer des Rechenzentrums um weitere fünf Jahre verlängert. So wurde am 1. und 2. September 2018, zum dreijährigen Geburtstag des Rechenzentrums, auch die Nutzung bis Ende 2023 gefeiert.
Doch wie die vorherige Nutzungsdauer auch muss diese neue Verlängerung nicht die letzte sein. Auch in Ermangelung einer innerstädtischen Alternative in öffentlicher Hand plädieren die Nutzer*innen für eine längere Nutzungsdauer.

Die Stadtverordnetenversammlung hat im Juni 2020 einen Beschluss gefasst, nach dem der Abriss des RZ nicht mehr gesetzt ist. Aufgrund dessen initiierte Mike Schubert im April 2021 den momentan laufenden „4 Phasen Prozess“. Derzeit verhandeln die Stadtspitze, Akteur:innen der Stiftung Garnisonkirche und Vertreter:innen des Rechenzentrums die Zukunft des Areals – inhaltlich, architektonisch und bauordnungsrechtlich.