Aufeinander aufbauende Workshops zu sexueller Bildung
Das Projekt richtete sich an Frauen mit Migrationshintergrund, die bisher kaum Zugang zu verlässlicher sexualpädagogischer Aufklärung hatten. Ziel war ein geschützter, niedrigschwelliger Rahmen, in dem Körperwissen, sexuelle Gesundheit und Beziehungsthemen kultursensibel und verständlich vermittelt werden konnten.
Durchführung und Termine
Die Workshops liefen an folgenden Terminen: 17.09., 24.09., 01.10., 08.10., 15.10. und 22.10.2025, jeweils am Vormittag
In der Projektumsetzung zeigte sich, dass sowohl die geringe Teilnehmerinnenzahl als auch deutliche Sprachbarrieren ein flexibleres Vorgehen erforderten als gedacht.
Akquise und Gruppensituation
Einige angefragte Einrichtungen waren unsicher, ob die Themen für ihre Teilnehmerinnen passend seien, weshalb kaum Weiterleitungen erfolgten. Rückmeldungen lauteten, die Frauen müssten „zunächst die Sprache lernen“. Meine Erfahrung im Projekt spricht jedoch für eine parallele, nicht serielle, Bildungsstrategie: Sprachlernen und sexualpädagogische Orientierung können sich sinnvoll ergänzen, gerade weil die Themen für viele dieser Frauen schon jetzt von hoher Relevanz sind. Über Plattformen wie Meetup und Nebenan.de fand sich schließlich eine kleine Gruppe von sechs Frauen. Eine Teilnehmerin nahm ohne Wissen ihrer Familie teil und bat ausdrücklich um vollständige
Anonymität. Die Gruppe verständigte sich daher auf einen sehr geschützten Rahmen ohne Namensnennung oder Personenfotos.

Sprachliche Situation und Arbeitsweise
Im Workshop wurden Arabisch, Farsi, Englisch und Deutsch gesprochen. Viele Frauen hatten nur geringe Deutschkenntnisse. Eine Teilnehmerin mit besseren Deutsch- und Englischkenntnissen übernahm über mehrere Termine hinweg die Übersetzung. Die Verständigung erfolgte ansonsten vor allem über Visualität: anatomische Modelle, Zeichnungen, Bilder und Filme halfen, zentrale Inhalte unabhängig vom Sprachniveau zugänglich zu machen.
Inhalte und Schwerpunkte
Die Themenschwerpunkte entstanden im Austausch mit den Frauen. Besonders wichtig waren:
• weibliche (und männliche) Anatomie
• Fragen zum Jungfernhäutchen
• Verhütung und Frauenarztbesuch
• weibliches Lustempfinden und Orgasmus
• Grenzen, Konsens und Beziehungsgestaltung
Zur Unterstützung nutzten wir verschiedene visuelle Medien: den Film „Gut zu wissen – Besuch beim Frauenarzt“, die mehrsprachige Plattform Zanzu sowie ausgewählte Inhalte von OMGYes.
Im Verlauf der Workshops haben wir auch mit Modelliermasse gearbeitet, um Vulvenformen nachzubilden. Diese praktische Übung half den Teilnehmerinnen, ein klareres Verständnis der weiblichen Anatomie zu entwickeln und eigene Vorstellungen zu korrigieren. Die Arbeit mit den Händen schuf einen sicheren, kreativen Zugang zu einem Thema, das in vielen Herkunftskontexten kaum besprochen wird und entsprechend mit Unsicherheiten belegt war. Für mehrere Frauen war dies ein besonders prägnanter Moment, weil sie erstmals eine konkrete, greifbare Vorstellung ihres eigenen Körpers entwickeln konnten.

Wirkung und Fazit
Die Gruppe entwickelte im Verlauf einen offenen, vertrauensvollen Austausch. Die Frauen äußerten mehrfach, dass sie dieses Wissen bislang nirgends erhalten haben und der geschützte Rahmen ihnen half, Fragen zu stellen und Anliegen zu formulieren, die sie bisher nicht aussprechen konnten. Auch für mich war das Projekt eine wertvolle Erfahrung, gerade weil es zeigte, wie wichtig niedrigschwellige, kultursensible und sichere Angebote in diesem Bereich sind.
Ein Vorhaben Anne Brandt (Sexologin M.A.)